Meinungsdiktatur: Unterschied zwischen den Versionen

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== Bedeutung und Geschichte des antifeministischen Narrativs ''Meinungsdiktatur'' ==
 
== Bedeutung und Geschichte des antifeministischen Narrativs ''Meinungsdiktatur'' ==

Version vom 21. Januar 2020, 19:27 Uhr

Diskursatlas Antifeminismus
Diskursthema:
Geschlecht Familie
Bildung Gleichstellung
Narrativ:
Meinungsdiktatur

Der Ausdruck Meinungsdiktatur (auch Gesinnungsdiktatur) findet als antifeministisches Narrativ Anwendung in den Diskursthemen Geschlecht, Familie, Bildung und Gleichstellung.

Bedeutung und Geschichte des antifeministischen Narrativs Meinungsdiktatur

Geschichte des Narrativs Meinungsdiktatur

18. und 19. Jahrhundert

Der Theologe Franz Christian Pittroff bezeichnete im 18. Jahrhundert mit Meinungsdiktatur ("Meynungsdiktatur") nicht ein Gesellschaftssystem, sondern den Versuch, anderen seine "Privatmeynung" aufzudrängen. In seinem Buch "Kirchenamtspolitik nach den allgemeinen Verhältnissen der Kirchenstatistik und der Pastoralklugheit in der Anwendung auf die Seelsorgergeschäfte" leitet er das Kapitel "Meynungsdiktatur" mit den folgenden Worten ein:

„Sie können es nicht über das Herz bringen, ihre Privatmeynungen für sich zu behalten, ihre besondere Entwürfe so ruhig vor sich weg auszuführen, und wenn sie wohl dabey fahren, sich in der Stille daran zubegnügen. Nein: da muß bey einem jeden neuen Einfalle Lärm geschlagen werden: man muß seine ausgeheckte Grillen anderen aufdringen: man muß die ganze Nachbarschat zu seinen Handgriffen bemüßigen: und wenn sie sich nicht dazu verstehen wollen, so wirft man gleich mit Schmähungen herum, man verketzert, man schreyet über Gefahr, über Mißbräuche, über Unwissenheit [...]“[1]

Einhundert Jahre später wandte sich der spiritistische Philosoph Carl Du Prel mit dem Vorwurf der Meinungsdiktatur gegen die anerkannte Lehrmeinung. In seiner Publikation "Die monistische Seelenlehre: Ein Beitrag zur Lösung des Menschenrätsels" von 1888 ist an entsprechender Stelle zu lesen:

„Die Natur hat bisher noch jeder Meinungsdiktatur gespottet und wird das auch künftig thun. [...] Gleichwohl weigern sich die Gelehrten nun bereits seit vierzig Jahren, nach den spiritischen Thatsachen auch nur hinzusehen, trotzdem sogar von ihen eigenen Kollegen alle, die diesen Blick noch gewagt haben, versichern, dass der Spiritsmus höchst merkwürdige Erscheinungen bietet, die eine Fülle von Licht auf bisher für unlösbar gehaltene Probleme werfen.“[2]

Weimarer Republik

In der Weimarer Republik wurde die Formulierung Meinungsdiktatur vor allem im Zusammenhang mit der Demokratie und den "Massen" benutzt.

Hier ist der Soziologentag von 1930 hervorzuheben. Der Soziologe Carl Brinkmann, einer der beiden Hauptvortragenden, behauptete, dass vor allem die "moderne Massengesellschaft" durch anglikanische "Preßfreiheit" zu einer "fast diktatorischen Suggestion" geführt habe, in dem der "'Alltag'" inhaltsleer und relativistisch zum Maß aller Dinge werde. Zugleich hätten sich die Pressestellen der Staatsbehörden perfektioniert und übten ebenfalls Meinungsdiktatur, in diesem Fall eine "anonyme", aus:

"In den geistig leeren Raum des mechanisierten Nachrichtenmarktes stößt in bemerkenswertem Formenreichtum, aber nach einheitlichem Prinzip die sachliche Nachrichtenbearbeitung durch die Pressestellen der Staatsbehörden und aller anderen Verbände vor. Der formalen Meinungsdiktatur der Masse begegnet so eine materielle Meinungsdiktatur der öffentlichen Körper mit unabsehlichen Möglichkeiten."[3]

Die "unabsehlichen Möglichkeiten" würden sich analog zum Stalinismus der Sowjetunion und zum Faschismus Italiens aus der formalen und der materiellen Meinungsdiktatur entwickeln:

"es wird vielleicht nur nötig sein, daß sich der materialistische Wahn der Selbstschöpfung gesellschaftlichen und staatlichen Lebens in seiner letzten Gestaltlosigkeit totläuft, daß das »Gerede« (um mit Heidegger zu sprechen) auch in der hohen Aufgabe der öffentlichen Unterrichtung und Meinungsbildung wieder vor der Autonomie und Rangordnung geistiger Wert- und Sachgebiete zurückweichen und (nicht auf Schleichwegen, sondern frei und offen) ihrer Führung sich anvertrauen lernt, um auch und gerade die titanischen Kräfte des modernen Pressewesens wieder in den Dienst des Göttlichen, wahrer staatlicher Integration und sozialer Gesittung zu zwingen."

Carl Schmitt pflichtete "seinem Freund" Carl Brinkmann hinsichtlich dieser "gigantischen Kräfte" bei und ergänzte: "Ich halte es für sicher, daß es sich nur darum handelt, wer die ungeheuren technischen Mittel in die Hand nimmt."[4][5]

Deutsche Demokratische Republik

In der DDR wurde der Begriff Meinungsdiktatur vor allem vom marxistischen DDR-Kritiker Wolfgang Harich geprägt und bezog sich dort auf die staatliche Kulturpolitik. Harich kritisierte 1953 in einem mit Bertolt Brecht abgesprochenen Artikel "Es geht um den Realismus - Die bildenden Künste und die Kunstkommission" die Praxis der Staatlichen Kommission für Kunstangelenheiten u.a. mit den Worten:

"[Auf] der einen Seite geben die bürgerlichen Kunsthistoriker in der DDR ihre Publikationen heraus und halten ihre Vorträge, ohne sich auf eine Beteiligung an den Kunstdebatten der Marxisten überhaupt einzulassen. Auf der anderen Seite herrscht üble Meinungsdiktatur einer kleinen Gruppe von Funktionären, die die bürgerlichen Fachgelehrten abstößt und ihn ihren Vorurteilen gegen den Marxismus bestärkt, während sie gleichzeitig die marxistischen Kunsthistoriker und Kritiker sowie die vielen bildenden Künstler, die sich politisch längst zur Sache der Arbeiterklasse bekennen, zu geistiger Sterilität, elender Leisetreterei und tiefem Missbehagen verurteilt.“[6]

Konkret ging es Harich formal um die Ersetzung einer steifen Kulturkommission durch "kleine fliegende Kommissionen", was von Brecht in einem Brief an Grotewohl unterstützt wurde,[7] und inhaltlich um einen fehlenden Einfluss des Philosophen Georg Lukács und einen zu großen Einfluss von Friedrich Nietzsche, den er für den Wegbereiter des Faschismus hielt, auf die Kulturpolitik der DDR.

Bundesrepublik Deutschland

Freimut Duve konstatierte bereits 1969 in seinem Buch "Die Restauration entläßt ihre Kinder oder Der Erfolg der Rechten in der Bundesrepublik" eine Diskurskoalition mit dem Narrativ Meinungsdiktatur zwischen Vertretern us-amerikanischer antikommunistischer Thinktanks wie William S. Schlamm, der NPD und der Springerpresse. Das Narrativ der Meinungsdikatatur richtete sich vor allem gegen Medien, Herausgeber*innen und Journalist*innen, die als linke Gegner ausgemacht wurden:

"Als William S. Schlamm, mit seinen nationalen Erweckungszügen zur Politik der Stärke aufrufend, 1959 durch Deutschland zog und wie kein Publizist vor ihm Rednererfolge buchen konnte, predigte er den applaudierenden Deutschen: «In Deutschland regiert ... Herr Augstein ... vom Spiegel und verdirbt den nationalen Charakter.»? Nicht nur unter den Begeisterungsstürmen der Jugend, sondern auch unter dem Beifall des Barons von Guttenberg und der Gattin des Bundestagspräsidenten Gerstenmaier benutzte er den gleichen Mythos, mit dessen Hilfe in der <Spiegelaffäre> die Mächtigen den Realitätszipfel des Mythos, Rudolf Augstein, ausschalten wollten. Das Wichtige an der Behauptung von Schlamm ebenso wie bei der <Säuberung> der «Panorama»- Sendung des Norddeutschen Rundfunks (Bild: «Der Spitzbart muß weg») beim <Abschießen> ihrer Leiter und bei anderen <antilinken>  Kampagnen war: der Angriff ging gegen Personen (Gert von Pascensky, Erich Kuby), die ausgeschaltet werden sollten. Als die meisten von ihnen vom Bildschirm und aus den wichtigsten Zeitungen verschwanden, «als die Stimmen der Linken, der Opposition in der Presse, im Rundfunk und in der Publizistik immer leiser wurden» (Peter Grubbe), konnte sich der Mythos vom linken Meinungsterror weit stärker entfalten. Entpersonalisiert, richtete sich die Polemik nun gegen die mythische Figur: <Presse, Film, Funk und Fernsehens Schon Schlamm hatte in seinem Buch <die Grenzen des Wunders> (in seiner Wirkung auf NPD unterschätzen) geschrieben, «die ehemals lizenzierte deutsche Presse jedenfalls ist dem Antifaschismus treu geblieben» und meinte es als Vorwurf der Nestbeschmutzung. NPD-Ressentiments Jahre vor ihrem Erfolg."[8] 

Insbesondere die Zeitungen des Verlagshauses Springer führte Duve als Verbreiter des Narrativs einer "linken Meinungsdiktatur" an:

"Wichtigster Verbreiter des Mythos von der Meinungsdiktatur der linken Publizistik wurden die Zeitungen des Verlagshauses Axel Springer: Bild, Welt am Sonntag und Die Welt. Die konservative und antikommunistische Intelligenz, die wegen ihrer Nähe oder Affinität zum Nationalsozialismus in den fünfziger Jahren ein Randdasein führte, fand bei zunehmend rechtem und nationalem Kurs der Springer-Blätter wieder Publikationsmöglichkeiten. Sie nutzte sie, um nun gegen einen Gegner zu polemisieren, den es kaum noch gab. Armin Mohler, Hans-Georg von StudnitWinfried Martini, aber auch Hans Zehrer schrieben und schreiben über und leiden unter dem, was sie fast gleichlautend die «linke Meinungsdiktatur» nennen, als deren Opfer sie sich auch dann noch empfinden, wenn sie für den mächtigsten Zeitungskonzern schreiben."[9] 

Spätestens seit Mitte der 1980er Jahren wurde das Narrativ Meinungsdiktatur mit Antifeminismus verbunden, hierauf verwies Bernhard Pörsken in einem Gespräch mit dem SWR. So habe Heiner Geißler als damaliger Generalsekretär der CDU in einem Spiegel-Interview die Formulierung "Meinungsdiktatur verklemmter Feministinnen" benutzt.[10] Pörksen hat ab den 1990er Jahren eine zunehmende Verwendung des Narrativs Meinungsdiktatur in der weit rechts stehenden Szene ausgemacht. So erschien im neurechten Nation-Europa-Verlag 1997 von Jürgen Schwab ein Buch mit dem Titel: "Die Meinungsdiktatur. Wie 'demokratische' Zensoren die Freiheit beschneiden".

Bedeutung des Narrativs Meinungsdiktatur

Oftmals geht mit dem Narrativ Meinungsdiktatur die Unterstellung einher, in der Bundesrepublik Deutschland sei das Äußern einer eigenen Meinung ähnlich untersagt "wie in der DDR". Damit ähnelt diese Formulierung dem Narrativ des Dritten Totalitarismus, aber auch dem Narrativ des Kulturmarxismus.

Nach Freimut Duve geht der Vorwurf der Meinungsdiktatur mit einer "Potenzierung des politischen Gegners vor allem der machtlosen Intellektuellen zu einer bösen Clique von 'eigentlichen' Drahtziehern" einher. Diese sei ein

"Syndrom für autoritäre Gesellschaften, die Ohnmacht der Linken zur Gefahr, ihre leiser werdenden Stimmen zum Machtgebrüll zu vergrößern und vergröbern, ein Aspekt des Antiliberalismus der neuen nationalen Rechten. [...] Der Mythos von der Übermacht des Gegners hat eine dreifache Funktion: Er macht zunächst die Ausdehnung der eigenen Macht als Abwehr legitim, er hilft bei der Ausschaltung des Zipfelchens Realität, auf den sich jeder Mythos gründet, auf den sich jeder Mythos gründet, und verdeckt sodann die erreichte fast absolute Macht."[11] 

Ähnlich interpretiert Bernhard Pörsken die Funktion der Verwendung des Narrativs Meinungsdiktatur: Es handele sich um eine Selbstaufwertung. Dies macht Pörsken am Beispiel einer Aussage des ehemaligen Vorsitzenden des Bundesamtesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, fest. Dieser sagte in einem Interview mit einem ungarischen Fernsehsender laut Pörsken: "Totalitarismus und Meinungsdiktatur, das kann auch heute möglich sein. Ich sage nicht, dass es in Deutschland der Fall ist, aber das muss verhindert werden."[12]

Der Mythos der "linken Meinungsdiktatur" erfüllte nach Freimut Duve bereits in den 1960er Jahren für den Springer-Konzern ein Funktion:

"Er [der Springer-Konzern] nutzte das verbreitete Mißtrauen gegen Publikationsmittel allgemein und lenkte es gegen den imaginären Gegner. Der ökonomische Kampf gegen das Fernsehen wurde verdeckt durch den politisch-ideologischen Mythos, hinter dem sich zugleich der Ausbau der eigenen Macht vollziehen konnte.  Die Presseorgane des Konzerns wurden zum Faktor des Mythos: Daß «eine bedenklich gesteigerte Kunst der Meinungsmanipulation zu einem geistigen Terror geführt»? hat (A. Mohler), wurde in der Welt als so evident vorausgesetzt, daß der Leser über dem Lesen vergaß, eine Zeitung mit hoher Auflage in der Hand zu haben. Der Gestus des über die 'Schmierfinken' empörten Zeitungslesers, der wütend das Blatt aus der Hand legt, oder des oder des Fernsehers, der empört abschaltet, wurde den Deutschen durch eben Zeitungen eingetrichtert. [...] Die Reaktion des Großverlegers auf Bestrebungen, seine Allmacht zu beschneiden, die Vehemenz, mit der die Kommentatoren in Welt und Welt am Sonntag gegen die 'Linken' polemisieren, zeigt der Tendenz nach ähnliche Grundhaltung wie die Diffamierung von Minderheiten, denen die Meinungsäußerung beschränkt wird mit dem Argument, sie wollten die Mehrheit 'terrorisieren'."[13]

Äußerungen im antifeministischen Narrativ Meinungsdiktatur

  • 10. Mai 1984: Aus einer Rede von Heiner Geißler während des CDU-Parteitages in Stuttgart:
„Wenn es wahr ist, daß 75 Prozent der sogenannten ,Nur- Hausfrauen' und ein noch größer werdender Anteil junger Frauen […] in freier Wahlentscheidung mit ihrer Aufgabe als Erzieherin der Kinder zufrieden sind, dann ist es eine Kombination von Arroganz und Intoleranz, wenn in den öffentlich-rechtlichen Medien Redakteure und Redakteurinnen jeden Morgen von 6  bis 12 Uhr über den Rundfunk ihre Frustration und ihr schlechtes Gewissen in die Wohnungen der Hausfrauen und Mütter kippen und diese als rückständig diskriminieren und ihnen beibringen wollen, sie hätten eigentlich unglücklich zu sein. Wir wollen kein Patriarchat, aber auch keine Meinungsdiktatur verklemmter Feministinnen.“[14]
"Gender wirkt: Meinungsdiktatur! [...] Der regierungsamtliche Feminismus hat inzwischen eine solche unwidersprochene Deutungsmacht erreicht, dass sich Entscheidungsträger gezwungen sehen, Sicherheitskräfte ein zu setzen, oder – wie in Trier –  sich [sic!] lieber zu kapitulieren, als sich der Gegenseite zu stellen. diese [sic!] Gegenseite, in unserem Falle, eine kampfestarke [sic!] Minderheit,  definiert folgereichtig [sic!] den politischen Wertekompass. Wie Mehltau legt sich diese “politische Korrektheit” über unser Land. Trotzen und Stärke zeigen, diese männlichen Tugenden scheinen zu vefrblassen [sic!]. Gender wirkt!" [15]
(siehe auch Narrative Lautstarke Minderheiten, Mehltau, Political Correctness, Verschwinden der Männlichkeit)
"Wir leben in einer demokratischen Diktatur. Wer es heute wagt, die demokratischen Verbrechen öffentlich zu nennen, wird von "demokratischen" Kräften massiv bekämpft! Der Holocaust der Nazis ist der Inbegriff des Grauens im Dritten Reich. Gibt es eine Steigerungsform der grausamen Verbrechen? Ja, es gibt sie! damals KZ`s [Foto eines KZs mit der Tor-Überschrift "Arbeit macht frei"] - heute OP`s [Foto einer Abtreibung]. Abtreibung ist MORD, es gibt dafür kein anderes Wort!"(Klaus Günter Annen)[16]
(siehe auch Narrativ Babycaust)
"Gegen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness" [17].
(siehe auch Narrativ Political Correctness)
  • 26.07.2017: Robin Classen schrieb auf den Seiten der neurechten Magazins Blaue Narzisse im Artikel: "Kanada: Auf dem Weg in die Meinungsdiktatur" u.a.:
"Kanada: Auf dem Weg in die Meinungsdiktatur [...] Betroffen sind diesmal nicht Islamkritiker, aber alle Menschen, die glauben, dass man sein Geschlecht nicht einfach wie eine Unterhose wechseln kann. Das Gesetz C-16 schreibt unter anderem „Gender Identität“ und „Gender Ausdrucksformen“ in den kanadischen Menschenrechtskatalog und schafft eine eigene Hassverbrechens-Kategorie. [...] Wer „diskriminiert“, kann mit einer Geld- oder sogar Gefängnisstrafe zur Rechenschaft gezogen werden. Dabei ist das Gesetz wohl die Inkarnation eines Gummiparagraphen, da sowohl „Diskriminierung“ als auch „Gender Identität und Ausdruck“ völlig unbestimmte Begrifflichkeiten sind. In Kanada wird damit der linke Gesinnungsstaat in selten offensichtlicher Weise Realität."(Robin Classen)[18]
(siehe auch Narrativ Gesinnungsstaat)
  • 02.11.2015: Klaus Kelle veröffentlichte im neoliberalen Magazin eigentümlich frei den Artikel "Meinungsdiktatur. Wer nicht mitspielt, wird plattgemacht. Man denkt an Weimar", wo es unter anderem heißt:
"Meinungsdiktatur. Wer nicht mitspielt, wird plattgemacht. Man denkt an Weimar [...] inzwischen hat sich in der Bevölkerung herumgesprochen, was für eine menschenverachtende, ja groteske Ideologie dieses Gender Mainstreaming ist. Eigentlich könnte man nur lachen über diese Gender-Tanten, wenn sie nicht gleichzeitig versuchen würden, sich Zugriff auf das Denken unserer Kinder zu verschaffen. Ein kritisches Theater würde das aufspießen, würde mit den Mitteln der Kunst bloßstellen, dass Genderisten eine Art Sekte sind, deren Wissenschaftlichkeit sich auf einer Höhe mit dem Kreationismus befindet. Aber unser deutscher Kulturbetrieb ist enteiert [...] Die etablierte Politik und die Mehrheitsgesellschaft schauen mit wenigen Ausnahmen ungerührt zu oder wenden sich desinteressiert ab. Und die Gralshüter der Political Correctness, die Gedankenpolizei und ihre Helfershelfer in politischen Stiftungen und einigen Medien bereiten mit bisweilen unfassbar dümmlichen „Analysen“ den Weg für die Hetzer und Hasser."(Klaus Kelle)[19]
(siehe auch Narrative Gender-Ideologie, Indoktrination von Kindern, Political Correctness. Sprachpolizei, Pseudowissenschaft Gender-Studies, Verschwinden der Männlichkeit)
  • 20.01.2018: Vera Lengsfeld schrieb in ihrer Grußbotschaft zur rechten Frauen-Demonstration in Kandel u.a.:
"Sie stehen hier, weil sie sich diesen moralischen Totalitarismus nicht mehr bieten lassen wollen. Sie wissen, dass sie sich selbst helfen müssen, denn es wird niemand anderes für sie tun. Sie sind hier, obwohl sie wissen, dass sie wieder als „Rechte“ und „Rassisten“ beschimpft werden. Aber sie ahnen, dass die Angst, als rechts diskriminiert zu werden, nichts ist im Vergleich zu dem, was auf uns zukommt, wenn wir den Verantwortlichen für die Destabilisierung unseres Landes und die Gefährdung unserer Zukunft nicht in den Arm fallen. Cottbus hat den Anfang gemacht, Kandel ist gefolgt, demnächst wird es Demonstrationen in Bottrop und Berlin geben. Ich wünsche mir, dass der Funke von Kandel überspringt und einen Flächenbrand erzeugt. 1989 ist es den DDR-Bürgern gelungen, ein bis an die Zähne bewaffnetes Regime loszuwerden. Es sollte auch möglich sein, eine Gesinnungsdiktatur zur Räson zu bringen. Das ist, um ausnahmsweise unsere Kanzlerin zu zitieren, alternativlos!"[20]
(siehe auch Narrativ: Dritter Totalitarismus)
  • 05.12.2018: Beatrix von Storch fordert in einem Beitrag für die Freie Welt zu einer Broschüre der Amadeo-Antonio-Stiftung[21] die „Einstampfung“ der Broschüre und der Stiftung u.a. mit folgenden Worten:
„In Wahrheit geht es nicht um den Kampf gegen Extremismus, sondern um ein Meinungsdiktat, das an Orwells Neusprech erinnert. [...] Die Antonio-Amadeu-Stiftungs-Broschüre zeigt nun, wie das „betreute Denken“ bis in die Privatheit der Familie durchgesetzt werden soll. Zu diesem unheiligen Zweck werden Erzieher gegen Eltern, Eltern gegen andere Eltern und sogar Kinder gegen ihre Eltern instrumentalisiert. Solche Methoden kennt man aus totalitären Regimen, nicht zuletzt von der Stasi. Die Väter und Mütter des Grundgesetzes wollten solche Staatsindoktrination verhindern.“ [22]
(siehe auch Narrative: Dritter Totalitarismus, Neusprech, Indoktrination von Kindern)

Verkettung mit anderen antifeministischen Narrativen

Die oben genannten Äußerungen zeigen, dass das Narrativ „Meinungsdiktatur“ mit folgenden Narrativen verkettet ist, die ebenfalls als „antifeministisch“ identifiziert wurden. Hierbei ist zu beachten, dass ein Ausdruck verschiedene Bedeutungen haben und für verschiedene Erzählungen - also für verschiedene Narrative - stehen kann. Daher findet hier nicht der Ausdruck an sich, sondern eine bestimmte Lesart dieses Ausdruck, ein bestimmtes Narrativ, nämlich das antifeministische Narrativ, Beachtung.

Literatur

Primärliteratur

Sekundärliteratur

  • Andreas Diener: Die Sprache der Populisten, in: FAZ.net vom 28.12.2016, Link
  • Freimut Duve: Die Restauration entläßt ihre Kinder oder Der Erfolg der Rechten in der Bundesrepublik. Reinbek 1968

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Franz Christian Pittroff: Kirchenamtspolitik nach den allgemeinen Verhältnissen der Kirchenstatistik und der Pastoralklugheit in der Anwendung auf die Seelsorgergeschäfte, Prag 1785, S. 225
  2. Carl Du Prel: Die monistische Seelenlehre: Ein Beitrag zur Lösung des Menschenrätsels, 1888, S. 44f.
  3. Brinkmann, C. (1931). Presse und öffentliche Meinung. In Verhandlungen des 7. Deutschen Soziologentages vom 28. September bis 1. Oktober 1930 in Berlin: Vorträge und Diskussionen in der Hauptversammlung und in den Sitzungen der Untergruppen (S. 9-31). Tübingen: Mohr Siebeck
  4. Carl Schmitt: Diskussion über Presse und Öffentliche Diskussion,in: Schmitt, C., Stampfer, F., Hertz, F., Dovifat, E., Voegelin, E., ... Brinkmann, C. (1931). Diskussion über "Presse und öffentliche Meinung". In Verhandlungen des 7. Deutschen Soziologentages vom 28. September bis 1. Oktober 1930 in Berlin: Vorträge und Diskussionen in der Hauptversammlung und in den Sitzungen der Untergruppen (S. 51-80). Tübingen: Mohr Siebeck.
  5. siehe auch: Stefanie Averbeck: Zerfall der Öffentlichkeit? Sozialwissenschaftliche Diagnosen in der Zeit der Weimarer Republik, in: Otfried Jarren, Kurt Imhof, Roger Blum (Hrsg.: Zerfall der Öffentlichkeit?, Wiesbaden 2000, S. 106ff.
  6. Wolfgang Harich: "Es geht um den Realismus - Die bildenden Künste und die Kunstkommission", in: Berliner Zeitung vom 14. Juni 1953"
  7. Brecht: „Erwägen sie doch den Vorschlag Wolfgang Harichs, kleine fliegende Kommissionen zu schaffen, die überall den neuen Stil hineinbringen. Freilich müssten sie ganz unorthodox zusammengesetzt sein, einfach aus Leuten mit gesundem Menschenverstand, aus natürlichen Sozialisten“ Bertolt Brecht: Briefe 1913-1956, S. 659f.
  8. Freimut Duve: Die Restauration entläßt ihre Kinder oder Der Erfolg der Rechten in der Bundesrepublik. Reinbek 1968, S. 77ff
  9. Freimut Duve: Die Restauration entläßt ihre Kinder oder Der Erfolg der Rechten in der Bundesrepublik. Reinbek 1968, S. 77ff
  10. Wort der Woche: Meinungsdiktatur - erklärt von Bernhard Pörksen im Gespräch mit Marie-Christine Werner, SWR2
  11. Freimut Duve: Die Restauration entläßt ihre Kinder oder Der Erfolg der Rechten in der Bundesrepublik. Reinbek 1968, S. 77ff
  12. Wort der Woche: Meinungsdiktatur - erklärt von Bernhard Pörksen im Gespräch mit Marie-Christine Werner, SWR2
  13. Freimut Duve: Die Restauration entläßt ihre Kinder oder Der Erfolg der Rechten in der Bundesrepublik. Reinbek 1968, S. 77ff
  14. Heiner Geißler, während einer Rede beim Bundesparteitag der CDU 1984 in Stuttgart, zit. n. Medium, Band 14, hrsg. vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, S. 114. Mit dieser Version der Rede wird Heiner Geißler auch in einem Interview mit dem Spiegel konfrontiert. (M. Schreiber und V. von Roques: SPIEGEL Gespräch: „Ich mache mein Frühstück selber“ CDU-Familienminister Heiner Geißler über seine Rolle als Mann und über seine Familienpolitik, Spiegel 42/1984, S. 126 Link). Die protokollierte Niederschrift weicht etwas von diesem Zitat ab. Hier ist von einem "Diktat verklemmter Feministinnen" die Rede. Hier das Protokoll des entsprechenden - etwas längeren - Abschnitts: "Aber wenn es wahr ist, was z.B. Helge Press empirisch nachgewiesen hat, daß 75 % bis 80 % der Frauen, die sich entschieden haben, ihre Aufgabe in der Familie und bei der Erziehung ihrer Kinder zu erfüllen, mit dieser selbstgewählten Aufgabe zufrieden sind, dann verbitten es sich diese Frauen, daß Redakteure und Redakteurinnen über die öffentlich-rechtlichen Medien jeden Morgen von 6 bis 12 Uhr in den Hörfunksendungen ihren Frust und ihre Gewissensbisse in die Wohnungen der Hausfrauen und Mütter kippen, (Beifall) sie als mindenwertig diskriminieren und ihnen beibringen wollen, sie müßten eigentlich ein schlechtes Gewissen haben. Wir wollen bestimmt nicht das Patriarchat wieder einführen, aber wir wollen auch kein Diktat verklemmter Feministinnen in den öffentlich-rechtlichen Medien. (Beifall) Natürlich steckt da System dahinter, nämlich die Ideologie derjenigen, die völlig zu Recht erkannt haben, daß eine Veränderung unserer Gesellschaftsordnung mit der Zerstörung der Familie beginnen muß. Wo die Familie verschwindet, kommt der Staat. Weder die Nazis noch die Kommunisten haben es geschafft, die Familie in direktem Zugriff zu erledigen. Aber es gibt einen schleichenden und wirksamen Prozeß der Zerstörung der Familie, nämlich den Prozeß der sozialen Verelendung, den Prozeß, der darin besteht, daß eine Gesellschaftsordnung angestrebt wird, in der diejenigen, die Familie haben, die Kinder haben, in einer massiven Weise sozial benachteiligt werden. Das ist der schleichende Prozeß der Zerstörung der Familie, verbunden mit der ideologischen Bewußtseinsmanipulierung über die fi/ledien. Wir sind nicht an die Regierung gekommen, um dem tatenlos zuzusehen."Tagesprotokoll 32. Bundesparteitag 10. Mai 1984 Stuttgart PDF, S. 130
  15. Eckhard Kuhla: "Gender wirkt: Meinungsdiktatur", in agens vom 30.10.2011
  16. Internetpräsenz Babykaust.de, abgerufen am 4.1.2016
  17. Internetpräsenz von Kirche in Not: Aktuelle Meldungen, 18.03.2015: Gegen den Strom. Die Geschäftsführerin von Kirche in Not, Karin Maria Fenbert, verteidigte nach einer Kritik explizit den Begriff MeinungsdiktaturPro - Christliches Medienmagazin: Deutschland, eine Meinungsdiktatur? vom 03.01.2015
  18. Classen: Kanada: Auf dem Weg in die Meinungsdiktatur, in Blaue Narzisse vom 26.07.2017
  19. Klaus Kelle: Meinungsdiktatur. Wer nicht mitspielt, wird plattgemacht. Man denkt an Weimar, in: eigentümlich frei vom 02.11.2015
  20. Vera Lengsfeld: Wir werden nicht mehr kriechen! Grußwort für die Frauendemo in Kandel, in: Blog von Vera Lengsfeld am 28.01.2018
  21. Amadeo-Antonio-Stiftung: Ene, mene, muh – und raus bist du! Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik, Berlin 2018
  22. Beatrix von Storch: Amoklauf gegen Meinungsfreiheit und Elternrechte: Die Skandal-Broschüre der Antonio-Amadeu-Stiftung muss eingestampft werden!, in: Freie Welt vom 5.12.2018