Parental Alienation Syndrome

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Diskursatlas Antifeminismus
Diskursthema:
Sexualität Geschlecht Familie
Gleichstellung Gewalt
Narrativ:
Parental Alienation Syndrome

Der Ausdruck Parental Alienation Syndrome (PAS) findet als antifeministisches Narrativ Anwendung u.a. in den Diskursthemen Gewalt, Familie und Geschlecht.

Geschichte und Bedeutung des Narrativs PAS

Das Parental Alienation Syndrome (auch PAS oder "elterliches Entfremdungssyndrom") ist ein umstrittenes Konzept, dass im Zusammenhang von Sorge- und Umgangsrechtssteits thematisiert wird.

Das auf den Kinderpsychiater Richard A. Gardner zurückgehende Konzept des Parental Alienation Snydrom soll der Beschreibung einer anhaltenden Entfremdung und Abwertung eines Elternteils durch das Kind bei Trennungs- und Scheidungskonflikten dienen. Als entscheidende Ursachen dafür nennt Gardner die "Indoktrination von Kindern" durch den anderen Elternteil. [1] Bei tatsächlich vorliegenden Fällen von Kindesmissbrauch oder Vernachlässigung sei das Konzept nicht anwendbar [1]. Richard Gardner bedient dabei ein misogynes Frauenbild, indem er behauptet, Mütter würden häufiger zur "Indoktrination" ihrer Kinder neigen [2].

Das PAS ist wissenschaftlich umstritten, und wird aufgrund fehlender empirischer Daten weder von der American Psychological Association [3], noch im DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders)[2] als Diagnose anerkannt.

Im Kontext antifeministischer Aktivitäten wird der Verweis auf das Parental Alienation Syndrome vor allem von der Vaterrechtsbewegung genutzt. Dabei wird regelmäßig das Kindeswohl in die Dienste der Interessen des "entfremdeten Elternteils", meist des Vaters, gestellt und für misogyne Argumentationen instrumentalisiert.[4] Vorwürfe von Missbrauch oder Vernachlässigung welche Kinder gegen ihre Elternteile erheben können so als potentielle Indoktrination durch das meist weibliche Elternteil mit Sorgerecht diskreditiert werden [5].

Äußerungen im antifeministischen Narrativ Parental Alienation Syndrome

Die folgenden Äußerungen können zur besseren Lesbarkeit des Artikels ein- und ausgeklappt werden.

  • 2008: Im Kapitel zur "Auflösung der Geschlechter" in ihrem Buch Gender ohne Ende Oder Was vom Manne übrig blieb von 2008, erschienen im Antaios-Verlag, schrieb Ellen Kositza unter anderem:
„Damals galten Akademiker, Anthroposophen und Adelige als eminent gebärfreudig, heute sind es laut Stammtisch Arbeitslose, Ausländer und Asoziale. Worin wurzelt die schwindende Bereitschaft zum Muttersein, gerade in kultivierten Schichten, also in jenem Teil des Volks, der Leistungsträger und gesellschaftsfähige Persönlichkeiten hervorbringt? […] 
Die [Industrielle Revolution] brachte mit sich, was als Degeneration des Mannes betrachtet werden kann – das demokratisierte Bürgertum und seine Institutionen. Der Vater wurde aus dem häuslichen Umfeld entfernt, und nicht mehr das Bekenntnis zu einem Herrscher zählte, sondern die klägliche Abgabe der Stimme. Akademien, Ämter, Arbeit im Getriebe: Hier schon zerbrach die 'heile Welt' mit Großfamilie, klar und einsichtig definierter Männlichkeit und Weiblichkeit; Lebensweisen, die kein stupider Zwang, sondern schlüssige Notwendigkeit waren und seit Menschengedenken quasi unverändert tradiert wurden. [...]
Männer, das bemerkte Otto Weininger hundert Jahre vor der umfassenden Gender-Maintreaming-Ideologie, sind 'heute nahe dran, sich der weiblichen Wertung ihrer selbst zu fügen'. [...]
Wir dürfen das konservative Argument des diskutablen Unnatürlichen gern hintanstellen und brauchen den Teufel gar nicht erst an die Wand zu malen. Da steht er nämlich längst [...] Als verlockendes, doch unheiliges Mischwesen, als bärtiger Paradiesvogel mit umgeschnallten Fleischbrüsten. Diese vater- und mutterlose Welt hinterläßt Kranke und Gestörte.“[6]
(siehe auch Narrative Verschwinden der Männlichkeit, Dekadenz, Traditionelle Familie, Mischwesen, Gender-Ideologie, Natürliche Geschlechterordnung)
  • November 2011: Markus Hoffmann formuliert im Artikel "Sexualität fällt nicht vom Himmel" zur Frage "Wie sich Sexualität entwickelt und wie die Entwicklung von Sexualität unterstützt werden kann" in Weißes Kreuz unter anderem die Thesen:
"Gelingende Sexualität setzt Stabilität in der geschlechtlichen Identität als Frau oder Mann voraus. [...] Kommt es [...] durch Unterversorgung oder durch die emotionale Beziehung zur Mutter zu Irritationen, kann dies zu einer frühen Entfremdung vom eigenen Geschlechtskörper führen. Im Extremfall wird dabei der Körper als Feind erlebt, auf den man sich nicht verlassen kann, was zu erheblichen Störungen der Geschlechtsidentität, bis hin zum Wunsch nach Annahme eines anderen Geschlechts führen kann. [...] So steht das Mädchen, das am Beginn des Lebens in enger, emotionaler Gemeinschaft mit der Mutter lebt, vor der Aufgabe, eine kritische Distanz zur Mutter aufzubauen, damit es sich als eigenständige Person wahrnehmen kann. Hierzu braucht das Mädchen die Präsenz des Vaters, der das Mädchen an das Erleben eigener Selbständigkeit heranführt, indem er dem werdenden Frausein seiner Tochter würdigend begegnet und sie damit in der Eigenständigkeit ihres Personseins bestätigt. [...] Der Junge dagegen muss von der Mutter angstfrei zum Vater hin entlassen werden, damit er dort seine Identität aushandeln kann. [...] Je sicherer sich eine Frau oder ein Mann ihrer oder seiner geschlechtlichen Identität ist, desto eher können er oder sie sich nun dem fremden, dem anderen Geschlecht öffnen. Sicher ist das auch mit der Frage verbunden, ob man die heterosexuelle Passage schafft. [...] Die Öffnung gegenüber dem fremden Geschlecht hängt schließlich auch von der Frage ab, wie die Beziehung zu Vater und Mutter als Nicht-Geschlechtsgleichen erlebt wurde. [...] D.h., der junge Mensch greift beim Hineinwachsen in die Heterosexualität auf die Entwicklung der psychischen Geschlechtsidentität und die damit erfahrenen Beziehungen zurück. Sexuelle Entwicklung, das wird hiermit deutlich, fällt wahrlich nicht vom Himmel, sondern wird sensibel in der Kommunikation von Beziehungen erworben. Wer Sexualität auf sexuelle Aufklärung oder den Erwerb körperbezogenen Sexualverhaltens verkürzt, geht damit an der Wirklichkeit der sexuellen Entwicklung in Kindheit und Jugend vorbei."[7]
(siehe auch Narrative Homosexualität als Krankheit, Komplementarität der Geschlechter)

Verkettungen mit anderen antifeministischen Narrativen

Die oben genannten Äußerungen zeigen, dass das Narrativ „Parental Alienation Syndrome“ mit folgenden Narrativen verkettet ist, die ebenfalls als „antifeministisch“ identifiziert wurden. Hierbei ist zu beachten, dass ein Ausdruck verschiedene Bedeutungen haben und für verschiedene Erzählungen - also für verschiedene Narrative - stehen kann. Daher findet hier nicht der Ausdruck an sich, sondern eine bestimmte Lesart dieses Ausdruck, ein bestimmtes Narrativ, nämlich das antifeministische Narrativ, Beachtung.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 pas-konferenz.de: Einführung (Abgerufen 3.7.2017)
  2. 2,0 2,1 Chris Weller: PARENTAL ALIENATION SYNDROME ISN’T IN THE DSM YET, BUT IT’S IN PLENTY OF ARGUMENTS in Newsweek vom 10.7.2014 (Abgerufen 3.7.2017)
  3. American Psychological Association: Statement on Parental Alienation Syndrome vom 1. Januar 2008 (Abgerufen 3.7.2017)
  4. Jörg Fichtner: Unter falscher Flagge. Die ganz neue Väterlichkeit durch Mutterdenunziation. In: Andrea Geier und Ursula Kocher (Hrsg.): Wider die Frau: zu Geschichte und Funktion misogyner Rede. Böhlau, Köln 2008, ISBN 978-3-412-15304-5, S. 207–228.
  5. Tim Stelloh: Do courts use a controversial theory to punish mothers who allege abuse? in Al Jazeera America vom 24.1.2014 (Abgerufen 3.7.2017)
  6. Ellen Kositza: Gender ohne Ende Oder Was vom Manne übrig blieb, Schnellroda 2008, S. 57, 61, 66, 72
  7. Markus Hoffmann: Sexualität fällt nicht vom Himmel. Wie sich Sexualität entwickelt und wie die Entwicklung von Sexualität unterstützt werden kann, in: Weißes Kreuz Nr. 52, IV/2012, S. 6-8