Elternrecht statt Kinderrechte

Aus Diskursatlas
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diskursatlas Antifeminismus
Diskursthema:
Sexualität Geschlecht Familie
Bildung Gleichstellung Gewalt
Narrativ:
Elternrecht statt Kinderrechte

Spenden für die Redaktionsarbeit
(Bitte Rubrik Antifeminismus anwählen)

Autor: Andreas Kemper

Der Ausdruck Elternrecht statt Kinderrechte findet als antifeministisches Narrativ Anwendung u.a. in den Diskursthemen Sexualität, Familie und Bildung.

Geschichte und Bedeutung des antifeministischen Narrativs Elternrecht statt Kinderrechte

Bis ins späte 20. Jahrhundert war das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern noch durch den Begriff Elterliche Gewalt, womit in der Regel Väterliche Gewalt gemeint war, geprägt, die auch das Recht auf körperliche Züchtigung umfasste.[1] 1989 wurde von den Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention beschlossen.[2]

Seither gibt es auch in der Bundesrepublik Deutschland Diskussionen, Kinderrechte explizit im Grundgesetz zu verankern.[3][4]

Mit dem Narrativ Elternrecht statt Kinderrechte wurde gegen diese Verankerung gearbeitet. Hierbei wird unterstellt, dass es gar nicht um das Recht von Kindern gehe, sondern dass es sich um einen "perfiden Trick"[5] handele: Ein "finaler Schlag gegen Elternrechte" sei geplant[6]. Das Narrativ Elternrecht statt Kinderrechte schließt somit am verschwörungsmythologischen Narativ an, dass kulturmarxistische Lobbyorganisationen die Familie als Keimzelle der Nation zerstören wollten: "Mit allen Mitteln wird ein linker Kulturkampf gegen die Familie geführt, um den Gender-Umbau der Gesellschaft zu vollenden. […] Das Grundgesetz soll um sogenannte Kinderrechte erweitert werden."[7]

Äußerungen mit dem antifeministischen Narrativ Elternrecht statt Kinderrechte

Die folgenden Äußerungen können zur besseren Lesbarkeit des Artikels ein- und ausgeklappt werden.

  • 14. November 2014: Während der ersten Versammlung des Political Network for Values (PNfV) wurde ein Zehnpunkte-Programm ("Dekalog") verabschiedet, in dem es u.a. heißt:
„Der Schutz des Lebens sollte vom Moment der Empfängnis an beginnen, wenn der Mensch am verletzlichsten und wehrlosesten ist. […] Die Familie ist die Grundeinheit der Gesellschaft, die erste Schule, in der der Charakter und die Werte gebildet werden, die das Individuum formen und es darauf vorbereiten, eine positive Rolle in der Gesellschaft zu spielen. […] Die Ehe ist eine Institution zwischen einem Mann und einer Frau, in der jeder von ihnen einen unterschiedlichen und gleichzeitig ergänzenden Beitrag zum Prozess der Familiengründung leistet. […] Die Verteidigung des Rechts auf Verweigerung aus Gewissensgründen in allen Bereichen, insbesondere im Gesundheitswesen, gegen die Tyrannei des Relativismus ist eine Forderung und Verpflichtung, die wir eingehen müssen.“ [8]
(siehe auch Narrative: Lebensschutz, Keimzelle der Nation, Traditionelle Familie, Komplementarität der Geschlechter, Diktatur des Relativismus)
„Die Gender-Ideologie: Daß Gender ziemlich „gaga“ ist, ist wohl allen, die den Namen Kelle kennen, gut bekannt; Birgit hat dies auf anschaulichste Weise ja einer breiten Öffentlichkeit klar gemacht. […] der Mensch ist Mann-Mensch und Frau-Mensch. Tertiam non datur. Ein Drittes gibt es nicht. Genau aus dieser Zweisamkeit von Mann und Frau entsteht das neue Leben, das Kind. Die Zweisamkeit ist Grundbedingung jeden Menschenlebens. […]  Bei näherer Betrachtung dürfte so manche Methode der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ den Straftatbestand des sexuellen Missbrauches von Kindern erfüllen, wirft man einen Blick in Paragraph 176, Artikel 4.3 des Strafgesetzbuches. […] Ein solch intimer und schwieriger Bereich wie die Sexualaufklärung sollte in den Schulen daher auf die biologischen Aspekte beschränkt bleiben. Aufklärung darf nicht zur ideologischen Indoktrination missbraucht werden! […] Mit der geplanten Aufnahme sogenannter „Kinderrechte“ ins Grundgesetz könnte ihnen der finale Schlag gegen das Elternrecht gelingen.“[9]
(siehe auch Narrative Gender-Ideologie, Genderwahn, Komplementarität der Geschlechter, Kindesmissbrauch, Indoktrination von Kindern)
  • 22.10.2021: In einem Beitrag kritisiert das antifeministische Internetportal Demo für alle Pläne der neuen Bundesregierung unter anderem mit den Worten:
„'Kinderrechte', Abstammungsrecht, Transsexuellengesetz: Die familienfeindliche Agenda der Ampel-Koalition […] Die drei Parteien wollen „starke Kinderrechte“ ins Grundgesetz aufnehmen, das Familienrecht, das Abstammungsrecht, das Transsexuellengesetz und die Regelungen zur Reproduktionsmedizin verändern sowie einen „Pakt für Zusammenleben“ einführen. Außerdem soll es noch mehr Steuergeld und öffentliche Präsenz für die LSBT-Lobby geben. Sehr gefährliche Pläne für Ehe, Familie und Kinder! […] In einem faktenreichen Beitrag kritisiert die Publizistin Pauline Schwarz, dass SPD, FDP und Grüne 'die Gender-Ideologie in Deutschland durch die Reform des Transsexuellengesetzes und den Regelungen zur Reproduktionsmedizin weiter voranpeitschen' wollen. Sie resümiert: 'Der Kinderschutz wird zum Wohl einer vermeintlichen Selbstbestimmung und zum Leidwesen vieler psychisch angeschlagener Kinder und Jugendlicher geopfert.'[10]
(siehe auch Narrative: Homolobby, Gender-Ideologie)
  • März 2022: Die Initiative Familien-Schutz warnt in dem Faltblatt Zerstörung der Familie stoppen. Was die Ampelregierung wirklich will davor, dass die Bundesregierung die Familie zerstören wolle. Es heißt dort unter anderem:
„Die radikale Gender-Ideologie von SPD, FDP und Grüne: So zerstören sie die Familie […] Gemeinsam streben sie den genderkorrekten Totalumbau der Familie an. […] Familie versteht die Ampel nicht als natürliche Abstammungsgemeinschaft aus Vater, Mutter und Kind(ern). […] Die Macht der Gender-Lobby wächst. Die Ehe zwischen Mann und Frau macht über 95 Prozent der Partnerschaften aus. Trotzdem werden Ehe und Familie von den Gender-Sozialisten als 'überholtes Konstrukt' angesehen, das sie nach und nach moralisch zerrütten wollen. Dafür überzieht Deutschland ein dichtes Netz an LGBT-Organisationen. […] Familien werden diskriminiert. Mit allen Mitteln wird ein linker Kulturkampf gegen die Familie geführt, um den Gender-Umbau der Gesellschaft zu vollenden. […] Der Lebensschutz wird ausgehöhlt […] Die natürliche Abstammung wird abgeschafft. Bekommt eine lesbische Frau ein Kind, soll ihre Partnerin automatisch das Sorgerecht erhalten. […] Für die 'Akzeptanz der geschlechtlichen Vielfalt' soll ein Nationaler Aktionsplan verabschiedet werden. Er soll alle Bundesländer verpflichten, Gender- 'Aufklärung' und Frühsexualisierung an Schulen und Kitas zu verankern. […] Das Grundgesetz soll um sogenannte Kinderrechte erweitert werden. Diese werden im Zweifel von den Behörden gegen die Eltern vertreten. Das Erziehungsrecht der Eltern wird Stück für Stück vom Staat ausgehöhlt.“[11]
(siehe auch Narrative: Gender-Ideologie, Political Correctness, Totalitarismus, Traditionelle Familie, Homolobby, Kulturmarxismus, Gleichstellung diskriminiert, Lebensschutz, Natürliche Geschlechterordnung, Frühsexualisierung)
  • 29.03.2022: Der familienpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der AfD Martin Reichardt kritisierte u.a. mit den folgenden Worten die „Sendung mit der Maus“ als Frühsexualisierung:
„Keine Frühsexualisierung von Kindern durch 'Sendung mit der Maus' […] Eine Kindersendung, die vermutlich alle aus ihren Kindertagen kennen, wird heute für eine ideologische Denkweise missbraucht. Die Beeinflussung von Kindern im Vor- und Grundschulalter hinsichtlich sexueller Ausrichtung grenzt an Körperverletzung. […] Der vom links-grünen Establishment gesteuerte WDR versucht seine Genderideologie auch den Kleinsten als normal und zeitgerecht zu verkaufen. Das ist perfide und ein Missbrauch unserer Kinder. […] Wir als AfD-Fraktion lehnen die Entrechtung der Eltern und die Frühsexualisierung von Kindern entschieden ab. “[12]
(siehe auch Narrative: Frühsexualisierung, Gender-Ideologie, Kindesmissbrauch, Indoktrination von Kindern)
  • 23.05.2022: Das AfD-Mitgliedermagazin AfD-Kompakt zitiert den familienpolitischen Sprecher der AfD, Martin Reichert unter anderem mit den Worten:
„'Wenn man eine Gesellschaft umkrempeln und kaputt machen will, dann zerstört man zuerst die Familie', bringt er es auf den Punkt. Denn die ist die Keimzelle der Gesellschaft. Und die Grundlage für das Überleben eines Volkes. Deshalb vernachlässigt die Ampelkoalition – wie auch schon die Merkel-Regierung davor – die traditionelle Familie, wo sie nur kann. Deutschland sei mittlerweile ein sehr familienunfreundliches Land. Das Ergebnis: 'Wir haben ein gewaltiges Geburtendefizit, eine demografische Katastrophe!' […] Familien müssen geschützt werden. Aber nicht, indem man Kinderrechte nach Vorstellungen der Ampelparteien ins Grundgesetz schreibt. Denn was zunächst gut klingt, sei viel mehr ein perfider Trick, um Eltern zu entrechten. “[13]
(siehe auch Narrative: Niedergang der Nation, Keimzelle der Nation, Traditionelle Familie, Demografische Katastrophe)

Verkettungen mit anderen antifeministischen Narrativen

Die oben genannten Äußerungen zeigen, dass das Narrativ Elternrecht statt Kinderrechte mit folgenden Narrativen verkettet ist, die ebenfalls als „antifeministisch“ identifiziert wurden. Hierbei ist zu beachten, dass ein Ausdruck verschiedene Bedeutungen haben und für verschiedene Erzählungen - also für verschiedene Narrative - stehen kann. Daher findet hier nicht der Ausdruck an sich, sondern eine bestimmte Lesart dieses Ausdrucks, ein bestimmtes Narrativ, nämlich das antifeministische Narrativ, Beachtung.

Literatur

  • ManuEla Ritz/ Simbi Schwarz (2022): Adultismus und kritisches Erwachsensein. Hinter (auf-)geschlossenen Türen, Münster

Einzelnachweise

  1. Hartmut Kreß/ Rudolf Gerhardt (2014): Kinderrechte gehören nun auch ins Grundgesetz: Die UN-Kinderrechtskonvention ist jetzt seit 25 Jahren in Kraft, in: Zeitschrift für Rechtspolitik 47. Jahrg., H. 7 (16. Oktober 2014), pp. 215-21, S. 215 Link
  2. UNICEF: Die UN-Kinderrechtskonvention. Regelwerk zum Schutz der Kinder weltweit, in: Internetpräsenz der UNICEF, Link
  3. Hartmut Kreß/ Rudolf Gerhardt (2014): Kinderrechte gehören nun auch ins Grundgesetz: Die UN-Kinderrechtskonvention ist jetzt seit 25 Jahren in Kraft, in: Zeitschrift für Rechtspolitik 47. Jahrg., H. 7 (16. Oktober 2014), pp. 215-21, S. 215 Link
  4. Deutschlandfunk 2021: Kinderrechte im Grundgesetz. Was sich für Eltern und Kinder ändern würde, in Internetpräsenz vom Deutschlandfunk vom 08.06.2021 Link
  5. AfD-Kompakt: „Familie ist kein Vertragswerk, sondern die Grundlage für unser Überleben“ vom 23.05.2022
  6. Hedwig von Beverfoerde: Redemanuskript von Hedwig von Beverfoerde auf der „Vierten Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“
  7. Initiative Familien-Schutz: Zerstörung der Familie stoppen Was die Ampelregierung wirklich will, März 2022, PDF
  8. PNfV: Decalogue of Commitments for Human Dignity and the Common Good, in: Internetpräsenz des PNfV: Our Values, Version vom 26.06.2021; eigene Übersetzung
  9. Hedwig von Beverfoerde: Redemanuskript von Hedwig von Beverfoerde auf der „Vierten Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“
  10. Demo für alle: 'Kinderrechte', Abstammungsrecht, Transsexuellengesetz: Die familienfeindliche Agenda der Ampel-Koalition, in: Internetpräsenz der Demo für alle, 22.10.2021,Link
  11. Initiative Familien-Schutz: Zerstörung der Familie stoppen Was die Ampelregierung wirklich will, März 2022, PDF
  12. Martin Reichardt: Keine Frühsexualisierung von Kindern durch „Sendung mit der Maus“, in: Internetpräsenz der AfD-Fraktion im Bundestag vom 29.03.2022
  13. AfD-Kompakt: „Familie ist kein Vertragswerk, sondern die Grundlage für unser Überleben“ vom 23.05.2022
Abgerufen von „http://www.diskursatlas.de/index.php?title=Elternrecht_statt_Kinderrechte&oldid=2493