Leitbild Dreikinder-Familie

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Diskursatlas Antifeminismus
Diskursthema:
Bevölkerung Familie
Narrativ:
Leitbild Dreikinder-Familie

Der Ausdruck Leitbild Dreikinder-Familie findet u. a. als antifeministisches Narrativ in den Diskursthemen Familie und Bevölkerung Anwendung.

Geschichte und Bedeutung des Narrativs Dreikinder-Familie

Friedrich Burgdörfer empfahl 1933 dem Sachverständigenbeirat für Bevölkerungs- und Rassenpolitik des Reichsinnenministeriums, in den er kurz zuvor im Juli ernannt wurde, das Modell der Dreikinder-Familie.[1] 1942 stritt Burgdörfer mit Hans Harmsen über die ideale "Fortpflanzungsleistung" für die "erbgesunde" deutsche Familie. Während Burgdörfer für eine Erhöhung der "Normforderung" von 3 auf 4 Kinder pro Familie eintrat, befürchtete Harmsen eine Diskreditierung der Bevölkerungspolitik durch eine zu hohe Kinderzahlforderung.[2]

Äußerungen im Narrativ Dreikinder-Familie

"Nach den Erkenntnissen der Bevölkerungswissenschaft wird der zahlenmäßige Bestand der Elterngeneration erst dann im gleichen Umfang ersetzt, wenn jede überhaupt fruchtbare Ehe drei Kinder hat."[3]


  • Interview der AfD-Rheinland-Pfalz mit Björn Höcke, Landesfraktionsvorsitzender der AfD in Thüringen, vom Sommer 2014:
»Die Dreikinder-Familie ist eine biologische und logische Notwendigkeit, denn statistisch müssen je Frau 2,1 Kinder geboren werden, um die Bevölkerungsgröße konstant zu halten.« [4]


  • Ansprache von Björn Höcke während eines Weihnachtsfestes Ende 2014 der Jungen Alternativen Baden-Württemberg:
»Ein Staat, der so auf der Kippe steht, was das eigene Reproduktionsverhalten der Bevölkerung angeht, der muss doch, wenn er noch irgendwo an Selbsterhalt und Zukunft denkt […] dann müsste er doch das Geld dahin investieren, wo er die Gewissheit hat, dass in den zentralen Bereichen der Zukunftsfähigkeit das Geld hinkommt, also in die Verbindung von Frau und Mann. [...] Wir brauchen eine politische Elite, die bereit ist, gegen den Zeitgeist der Dekadenz eine 3-Kind-Familie zu postulieren und vorzuleben. [...] Über Gender Mainstreaming könnte ich ganz viel sagen. Für mich ist das einfach nur eine … Geisteskrankheit. [...] Für Thüringen verspreche ich euch das und ich hoffe, dass wir das auch in all den anderen Ländern praktizieren können: Wir werden diese Geisteskrankheit mit Namen Gender Mainstreaming aus unseren Schulen, aus unseren Universitäten vertreiben. [...] Es ist so, dass bei homosexuellen Menschen Sexualität zentral ist und im Vordergrund steht. […] Bei der Synthese von Frau und Mann, bei der erlebten Polarität des Lebens, da geht es noch um etwas anderes. Da geht es darum, dass diese Polarität der Keimzelle der Höherentwicklung des Menschen dient.«[5])
(siehe auch Narrative: Niedergang der Nation, Komplementarität der Geschlechter, Dekadenz, Gender-Ideologie, Feminismus als Krankheit, Homosexuelle Hypersexualität)

Verkettungen mit anderen antifeministischen Narrativen

Die oben genannten Äußerungen zeigen, dass das Narrativ „Leitbild Dreikinder-Familie“ mit folgenden Narrativen verkettet ist, die ebenfalls als „antifeministisch“ identifiziert wurden. Hierbei ist zu beachten, dass ein Ausdruck verschiedene Bedeutungen haben und für verschiedene Erzählungen - also für verschiedene Narrative - stehen kann. Daher findet hier nicht der Ausdruck an sich, sondern eine bestimmte Lesart dieses Ausdrucks, ein bestimmtes Narrativ, nämlich das antifeministische Narrativ, Beachtung.

Literatur

  • Ingo Haar (2005): Bevölkerungspolitische Szenarien und bevölkerungswissenschaftliche Expertise im Nationalsozialismus – Die rassistische Konstruktion des Fremden und das „Grenz- und Auslandsdeutschtum“, in: Rainer Mackensen / Jürgen Reulecke (Hrsg.): Das Konstrukt „Bevölkerung“ vor, im und nach dem „Dritten Reich“, Wiesbaden
  • Sonja Schnitzler (2012): Soziologie im Nationalsozialismus zwischen Wissenschaft und Politik. Elisabeth Pfeil und das „Archiv für Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungspolitik“, Wiesbaden

Einzelnachweise

  1. Ingo Haar (2005): Bevölkerungspolitische Szenarien und bevölkerungswissenschaftliche Expertise im Nationalsozialismus – Die rassistische Konstruktion des Fremden und das „Grenz- und Auslandsdeutschtum“, in: Rainer Mackensen / Jürgen Reulecke (Hrsg.): Das Konstrukt „Bevölkerung“ vor, im und nach dem „Dritten Reich“, Wiesbaden, S. 347f.
  2. Sonja Schnitzler (2012): Soziologie im Nationalsozialismus zwischen Wissenschaft und Politik. Elisabeth Pfeil und das „Archiv für Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungspolitik“, Wiesbaden, S. 101, Anm. 354
  3. Der Familienlastenausgleich. Erwägungen zur gesetzgeberischen Verwirklichung. Eine Denkschrift des Bundesministeriums für Familienfragen, Bonn, November 1955, S. 5, BAK, B 136/6134, S. 24, (zit. n. Christiane Kuller (2004): Familienpolitik im föderativen Sozialstaat: Die Formierung eines Politikfeldes in der Bundesrepublik 1949–1975, München S. 156f.)
  4. Höcke, Björn (2014): Björn Höcke, unser Spitzenkandidat zur Landtagswahl in Thüringen, im Interview mit den Kollegen der AfD aus Rheinland-Pfalz, in: Internetseite der AfD Rheinland-Pfalz vom 22. 8. 2014
  5. ab 40:17 Höcke, Björn (2014): Ansprache während des Weihnachtsfests der Jungen Alternative Baden-Württemberg am 22. 12. 2014 in Stuttgart