Genderwahn

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Diskursatlas Antifeminismus
Diskursthema:
Sexualität Geschlecht Familie
Bildung Gleichstellung
Narrativ:
Genderwahn

Der Ausdruck Genderwahn (auch Gender-Wahn) findet u. a. als antifeministisches Narrativ in den Diskursthemen Sexualität, Geschlecht, Familie, Bildung und Gleichstellung Anwendung.

Geschichte und Bedeutung des antifeministischen Narrativs Genderwahn

Das antifeministische Narrativ Genderwahn ist zum einen eine Verschärfung des Narrativs Gender-Ideologie und soll quasi eine ins Wahnhafte gesteigerte Ideologie unterstellen, zum anderen ist dieses Narrativ mit Narrativen verwandt, die vom Gleichheits-Wahn oder generell vom Feminismus als Geisteskrankheit sprechen.

Geschichte des antifeministischen Narrativs Genderwahn

"Weiblichkeitswahn": Mystifizierung der "Hausfrau"

Beim Ausdruck Genderwahn handelt es sich um eine Verkehrung des Begriffs Weiblichkeitswahn. "Der Weiblichkeitswahn" (1966) war der deutsche Buchtitel des 1963 von Betty Friedan herausgegebenen Buches [1]. Ihr Buch und die von ihr 1966 mitinitiierte Gründung der National Organization of Women gelten gemeinhin als der Beginn der "Zweiten Welle des Feminismus". Ihr Buch kritisierte die Geschlechterzuschreibung der Frau als Hausfrau und Mutter und vor allem auch die Kritik an die internalisierte Selbstzuschreibung kann daher als ein Frühform der Kritik der Geschlechterzuschreibung, des doing gender[2] verstanden werden. Das Narrativ Genderwahn greift zumindest in einer Spielart dieses Kofferwortes auf den Begriff Weiblichkeitswahn zurück, in dem das Ausbrechen aus dem Weiblichkeitswahn der Mutter- und Hausfrauen-"Rolle" seinerseits als Genderwahn diffamiert wird. Das Narrativ Genderwahn richtet sich scheinbar mit dem Wort Gender gegen die Anfang der 1990er Jahre entstandene "dritte Welle des Feminismus", tatsächlich wird jedoch auch die "zweite Welle des Feminismus" mit ihrer Kritik an der Mystifizierung der Frau als Hausfrau und Mutter angegriffen.

Das "Genderwahn"-Narrativ: Mystifizierung der Entmystifizierung

Eine erste größere Breitenwirkung erzielte das Narrativ Genderwahn in einer Rede des österreichischen Abgeordneten Karlheinz Klement (Freiheitliche Partei Österreich) 2008 im Nationalrat.[3] Trotz mehrfacher offizieller Ordnungsrufe benutzte Klement in seiner Rede immer wieder diesen Ausdruck. Marion Löffler spricht in diesem Zusammenhang von einer erfolgreich gezielten Provokation: „Provokation und Skandalisierung durch den rhetorischen Einsatz von 'Gender-Wahnsinn' im Nationalrat hat insofern funktioniert, als auch die Medien von Klements 'Ausrutscher' berichteten. Seither scheint der 'Gender-Wahnsinn' weitgehend 'normalisiert' zu sein. Er geistert durch Zeitungskolumnen und Social-Media-Foren.“ (Löffler 2017: 188)

Mit der Gründung der Alternative für Deutschland fand das Narrativ Genderwahn auch in Deutschland eine neue Verbreitungsplattform. Insbesondere nutzte die AfD ihren Account bei Facebook zur Verbreitung dieses Narrativs. Andreas Kemper schreibt hierzu: "So erschien auf der Facebook-Seite der AfD am 9. Juli 2013 ein blaues Banner mit dem Hinweis: 'Bitte TEILEN, TEILEN, TEILEN #AfD Gender-Wahn stoppen' (Stoppschild über Piktogramm von Mann, Frau und Kneifzange, in den Farben der AfD und mit AfD Schriftzug) [Anm.: 1739 Personen 'gefällt das'; 1160mal 'geteilt'] [...] Am 20. September 2013 gab es erneut ein blaues Banner mit der Inschrift: 'Gender-Wahn stoppen. Simple Wahrheit: Männer und Frauen sind verschieden. Alternative für Deutschland.' [Anm.: 6529 Personen 'gefällt das'; 1977 mal 'geteilt'; 875 Kommentare]."[4]

Ende Februar 2015 verfasste die Antifeministin Birgit Kelle einen Artikel im Focus mit dem Titel Gender mich nicht voll, in der selben Zeit erschien ihr Buch Gender-Gaga. Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will im Adeo-Verlag. Rezensionen und Interviews griffen das Narrativ Genderwahn auf, z.B. der Merkur mit der Überschrift: "Bestseller-Autorin Birgit Kelle: So irre ist der Gender-Wahn"[5] Mit dem ähnlichem Wortlaut und gespickt mit Zitaten von Birgit Kelle startete die Junge Freiheit im Frühjahr 2015 die Kampagne Gender mich nicht. Mit der Überschrift "Der Gender-Wahnsinn bedroht Sie, Ihre Kinder und Enkel! Die Wahrheit über die Gender Ideologie – und was wir alle dagegen tun können."[6] wird das Narrativ Genderwahn aufgegriffen und mehrere hunderttausend Plakate und "Aufklärungsfaltblätter" werden in Umlauf gebracht[7] Partner dieser Kampgagne gegen den vermeintlichen "Gender-Wahnsinn" sind nach eigenen Angaben: Zivile Koalition e. V., Initiative Familienschutz (Zivile Koalition Netzwerk), Demo für alle (Inernetseite ehemals betrieben von Zivile Koalition Netzwerk), Freie Welt (Zivile Koalition Netzwerk), Kirche in Not, Kinder in Gefahr und dessen Leiter Mathias von Gersdorff, Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft und deren Internetauftritt Gender Kritik[8]. Nach Andreas Kemper zeigen sich hier Diskurskoalitionen, "die neurechte Ansätze (Junge Freiheit) mit rechtskatholischen (Kirche in Not, TFP), evangelikalen (DIJG) und denen von Funktionär*innen der AfD (Beatrix von Storch) verbinden."[9]

2017 war Genderwahn einer von drei Ausdrücken, die in die engere Auswahl zum Unwort des Jahres gelangten.[10]

Bedeutung des antifeministischen Narrativs Genderwahn

Die Jury von Unwort des Jahres schrieb 2018 in der Pressemitteilung zu Genderwahn: "Mit dem Ausdruck „Genderwahn“ werden in konservativen bis rechtspopulistischen Kreisen zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit (von geschlechtergerechter Sprache über Ehe für alle“ bis hin zu den Bemühungen um die Anerkennung von Transgender-Personen) in undifferenzierter Weise diffamiert."[11]

Marion Löffler sieht die Wirkmächtigkeit des Ausdrucks Genderwahn in der Unklarheit der Bedeutung des Begriffs "Gender", der als "leerer Signifikant", also als sogenanntes "Kofferwort" gelten könne. [12] Ähnlich sieht dies Andreas Kemper: "Gemeint ist mit dem „Gender-Wahn“ wahlweise • Gendermainstreaming, also die Vereinbarung, in Politik und Verwaltung auch immer Geschlechterfragen zu berücksichtigen • feministische/queere Kritik an der Vorherrschaft von Männern, Männlichkeiten und Hetero-Normen • geschlechtersensible Sprache • Geschlechterforschung/Gender-Studies • Pädagogik der Vielfalt, das kann jede Form von Pädagogik sein, die nicht der Geschlechterpädagogik der 1950er-Jahre entspricht. • generell die kritische Benennung von Geschlechternormen oder Geschlechterdifferenzen"[13]

Allerdings handele es sich beim Ausdruck "Gender" im Narrativ "Genderwahn" nicht einfach nur um ein "Kofferwort", sondern es werde eine Verschiebung der ursprünglichen Bedeutung vorgenommen, so Kemper: "Der antifeministische Ausdruck „Gender-Wahn“ zielt zunächst nicht auf den inhaltlichen Sachverhalt von „Gender“, also die Konstruiertheit von Geschlecht, sondern kritisiert die Benennung dieses Sachverhalts: Der Begriff „Gender“ wird mit dem Ausdruck „Gender-Wahn“ diffamiert."[14] Marion Löffler sieht in dieser Widersprüchlichkeit im Ausdruck "Genderwahn" eine typisch populistische Strategie der "kalkulierten Ambivalenz"[15], also das gleichzeitige Ansprechen unterschiedlicher Zielgruppen mit widersprüchlichen Aussagen[16]

Marion Löffler macht darauf aufmerksam, dass sich bei den "meisten Beiträge zum 'Gender-Wahnsinn'" Verweise auf "eine 'mächtige Gender-Lobby'" finden, "die vorzugsweise als Welt- oder zumindest EU-Verschwörung lesbischer Feministinnen imaginiert wird und mitunter antisemitische Untertöne" habe. So erblicke Karlheinz Klement "in 'sprachliche[r] Gleichbehandung und 'diskriminierungsfreier Sprache' einen 'Gender-Wahn in der Sprache', der womöglich zu einer Rechtschreibreform führe, die zum Binnen-I verpflichte in Schulen einen 'Gender-Watch-Lehrer' und eine 'Gender-Watchlist' und schließlic 'Sittenwächter und Gender-Tugendwächter' installiere.“[17] Löffler betont, dass der Ausdruck Genderwahn mit einem Narrativ von totaler Überwachung verbunden wird: „Bezüge zu Gewalt, Zwang und totaler Überwachung untermauern die Szenarien, die Klement immer wieder mit 'Gender-Wahn' verbindet, was sowohl den verschwörungstheoretischen Subtext aufruft, als auch eine entkontextualisierende Vorstellung individueller Freiheit als Alternative zu 'Gender-Wahn' plausibel machen soll.“[18] Ähnlich formuliert Andreas Kemper diese Strategie und stellt sie in einen Zusammenhang mit der übergreifenden Anti-Political-Correctness-Strategie: "Die Wortwahl „Gender-Wahn“ will also ausdrücken, dass es Wahnsinn sei, Übergeordnetes demokratisch-politisch korrigieren zu wollen, das sei vielleicht gut gemeint, führe aber zum Schlechten. „Gender-Wahn“ gehört konzeptionell damit zu einer anti-emanzipatorischen Strategie, die seit 1990 unter der Bezeichnung „Anti-PC-Strategie“ (Anti-Political-Correctness) bekannt ist. Mit dieser Strategie wird das demokratische, vor allem unter Einbezug marginalisierter Gruppen, Herausarbeiten gesellschaftlicher Werte angegriffen. Es wird suggeriert, dass diese demokratische, politische Wertsetzung den Bogen überspanne, weil der entsprechende Wertekanon bereits biologisch, von Gott oder durch ein „organisch gewachsenes Volk“ vorgegeben, also außer-politisch sei. Das vermeintliche „Gutmenschentum“ wolle die unveränderlichen, ewig-geltenden Korrektheiten durch „politische Korrektheiten“ ersetzen. Dies führe unweigerlich zu einem „Tugendterror“ oder bei Feminist*innen zu einem „hysterischen Tugendfuror“. Mit den Positionierungen gegen den vermeintlichen „Gender-Wahn“ werden die Mechanismen der Strategie gegen die demokratisch-politisch erarbeiteten Werte („Politische Korrektheiten“) angewendet."[19]

Äußerungen im antifeministischen Narrativ Genderwahn

  • Der österreichische FPÖ-Abgeordnete Karlheinz Klement erhielt für seine Rede zum Gleichstellungsgesetz am 6. Juni 2008 zum drei Ordnungsrufe für die mehrfach verwendete Benutzung der Ausdrücke "Genderwahn" und "Genderwahnsinnigkeit". Auszüge aus der Rede:
" Ich halte fest, dass es sich bei diesen gesamten Materien nur um Umerziehungs­projekte handelt [...] Hier wird Geld verschleudert. Dieser Bericht kostet sage und schreibe 140 000 Euro – Geld, das woanders wirklich dringender notwendig ist und das wir dringender brauchen würden!"[20]
(siehe auch Narrative: Umerziehung, Gleichstellung ist zu teuer)


"Der „Volkstod“ breitet sich immer weiter aus. Ein Phänomen, das in der modernen Zeit die gesamte westliche Zivilisation erfasst hat. Doch gerade Deutschland, das sich seit gut mehr als 65 Jahren im Würgegriff der vermeintlichen „Befreier“ befindet, leidet am stärksten unter all den durch Kapitalismus und Globalisierung geknechteten Völkern. Ursachen hierfür sind zum einen der indoktrinierte Selbsthass, der von Politik, Medien und anderen gesellschaftlichen Institutionen zelebriert wird. Die Menschen werden hier zum Spielball von fremden Mächten gemacht, die es schaffen, in die Psyche eines ganzen Volkes einzudringen. Zum anderen ist aber auch die übermäßig ausgeprägte Wohlstands- und Konsumgesellschaft daran schuld, dass die Menschen den Wert der Familie nicht mehr schützen und achten. [...] Dabei ist gerade die demographische Katastrophe ursächlich für alle gegenwärtigen und zukünftigen Krisen. [...] Aus ökonomischer Sicht wäre dies der SuperGau. [...] Aber auch aus soziokultureller Hinsicht wäre dieses Szenario der Untergang der Kulturnationen Europas. Die Familie ist die Keimzelle eines jeden Volkes. [...] Besorgniserregend ist auch die Tatsache, dass mit dem aufkommenden Hirngespinst Gender Mainstreaming diese katastrophale Entwicklung unserer Völker beschleunigt wird. Die Strategie des Gender Mainstreaming hat zwar erst gut 25 Jahre Bestand, die Ideologie dahinter ist jedoch wesentlich älter. Auch hat die Gender Ideologie großen Anteil an der Paarungsmüdigkeit der Deutschen, mitsamt ihren daraus resultierenden verheerenden Folgen."[22]
(siehe auch Narrative: Genderterror, Selbsthass, Demographische Katastrophe, Europäische Hochkultur, Niedergang der Nation, Keimzelle der Nation, Drohender Volkstod, Gender-Ideologie)


  • Andreas Kissler verfasste im Juni 2013 im Cicero den Artikel "'Herr Professorin'. Genderwahn auf dem Vormarsch", in dem sich folgende Äußerungen finden:
„Herr Professorin“. Genderwahn auf dem Vormarsch [...] Nun gut, man kann die ganze Sache entspannt sehen, als humoristische Fußnote in der Globalgeschichte der Dekadenz. [...] Dass die Gleichstellungseuphoriker der Sprache, dem Sinn, dem Verstand Gewalt antun und dass niemand jenseits dieser akademischen Elite den brutalen Sprachmissbrauch gutheißt, niemand ihm folgen wird, steht außer Frage. Woher also kommt die Gewalt der Begriffsverbieger – und woher der Selbsthass der männlichen Befürworter im erweiterten Senat der Universität Leipzig, die mehrheitlich zustimmten? Beide zusammen erst, die entmannten Männer und die zum Sinnbruch entschlossenen Amazonen, machten die Begriffskatastrophe perfekt. [...] Stünde es um die akademische Freiheit, um die Freiheit des Denkens und Forschens, nicht besser, wenn es diese Katheder mit ihrer behaupteten Allzuständigkeit nicht gäbe? Dort werden Waffen geschmiedet im Kampf gegen das Männliche als Prinzip, Form und Person, mal auf grammatikalischen, mal auf diskurspolitischen Wegen. Es sind letztlich Verteilungskämpfe um Macht und Geld, die eine männerfeindliche Lobbygruppe momentan zu ihren Gunsten entschieden hat. Spätestens aber, wenn die globale Rezession ihr Haupt erhebt und die Armen der Erde auch in Deutschland stranden werden, wird sich diese Operation am offenen Herzen der Vernunft als das entpuppen, was sie heute schon ist: eine Luxusbeschäftigung für verwöhnte, anderweitig unausgelastete Akademiker."[23]
(siehe auch Narrative Dekadenz, Sprachmissbrauch, Männlicher Selbsthass, Verschwinden der Männlichkeit, Luxusproblem Gender)


  • Birgit Kelle schrieb im Februar 2015 im Focus einen Beitrag zur vermeintlichen Gender-Ideologie, in dem es unter anderem hieß:
"Eine groteske Ideologie breitet sich in Deutschland aus. Sie behauptet, Geschlecht sei ein "Konstrukt", verdirbt die Sprache und frisst Steuergelder [...] Eine ganze Nation gendert sich gerade Richtung Wahnsinn und verschleudert dabei zielsicher Steuergelder, die sich kaum mehr beziffern lassen."[24]
(siehe auch Narrative: Gender-Ideologie, Gleichstellung ist zu teuer)


  • Am 9. März 2015 postete Frauke Petry auf ihrer Facebook-Seite ein Bild mit dem Text "Einfach nur Klasse, diese Überschrift: 'GENDER MICH NICHT VOLL!'"[25] und bezog sich damit auf einen gleichnamigen Artikel von Birgit Kelle[26]. Frauke Petry schrieb zu dem Bild den Text:
"Gegen den Gender-Wahnsinn gibt es einen sehr guten Artikel von Birgit Kelle im Focus, den ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Sinnlose Geldverschwendung, die in ganz Deutschland in die Millionen geht, nur um ein paar chronisch beleidigte Gleichstellungsaktivisteninnen [sic!]  ;) zufrieden zu stellen. Deswegen pflanzt man unseren Kindern in den Schulen solche Ideologien in die Köpfe! Ich sage "Nein!" zum Genderwahn!"[27]
(siehe auch Narrative: Gleichstellung ist zu teuer, Gender-Ideologie)


"Genderwahnsinn. Wie die Gender*-Sprachpolizei uns alle foltert und Transsexuelle taktlos ausnutzt" [28]
(siehe auch Narrativ: Sprachpolizei)


"Der Gender-Wahnsinn bedroht Sie, Ihre Kinder und Enkel. Auf dieser Internetseite finden Sie ständig aktuelle Meldungen zu den Themen „Gender“ und „Frühsexualisierung“. Wir stellen Ihnen neue Bücher und Filme vor, präsentieren Organisationen und Einzelkämpfer gegen den Gender-Wahn, informieren über Veranstaltungen. Sehen Sie die Wahrheit über die Gender Ideologie – und was wir alle dagegen tun können."[29]
(siehe auch Narrative Frühsexualisierung, Gender-Ideologie)


"Familien fördern statt etwa die Homo-Lobby oder den Genderwahnsinn"[30]
(siehe auch Narrativ: Homolobby)


"Achtung Sprachpolizei! Wie wir langsam verblöden − Der ganz alltägliche Gender-Wahn"[31]
(siehe auch Narrative Sprachpolizei, Lautstarke Minderheiten)


  • In ihrer Rede am 11.10.2015 während der Demo für alle in Stuttgart sagte Gabriele Kuby, unter anderem an Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gewandt:
"Wir zeigen, dass es in diesem Land keine Ruhe geben wird, so lange die Kinder im Kindergarten und der Schule zwangssexualisiert werden. [...] Liebe Freunde, es ist die christlich geprägte Kultur, in der es Frauen am besten geht. Es ist die christlich geprägte Kultur, in der es Homosexuellen am besten geht, denn Christen achten jeden Menschen. Aber diese Kultur, die auf dem Boden des Christentums gewachsen ist, kämpft nun gegen sich selbst, zerstört ihre eigene Identität, indem sie die Identität des Menschen und seine Würde durch den Wahn der Gender-Ideologie zersetzt. [...] Als Politiker sind Sie, Herr Kretschmann, dem Grundgesetz und dem Gemeinwohl verpflichtet und nicht Lobbygruppen, die ohne jede demokratische Legitimation zu Kadern staatlicher Sexualpolitik gemacht werden. [...] Ziehen Sie den Bildungsplan zurück, Herr Kretschmann! Es könnte sein, dass sich bald nicht nur Christen, sondern auch muslimische Migranten gegen die Umerziehung der Kinder zu Wehr setzen."[32]
(siehe auch Narrative Frühsexualisierung, Gender-Ideologie, Homolobby, Umerziehung)


  • Die weitgehend von Neonazis dominierte [33] Partei Der III. Weg schrieb am 12.08.2016 in ihrem Internetportal:
"Vom Genderwahn zum Volkstod [...] Das Dach eines sexuellen Umerziehungsplanes ist die sogenannte „Gender Ideologie“. Sie behauptet, alle Menschen seien gleich. [...] Wir verstehen uns als familienfreundliche und nationale Gemeinschaft. [...] Zu dieser Gesellschaftsordnung gehören unbedingt wieder gesunde und kinderreiche Familien, um der demographischen Katastrophe entgegen zu steuern. Gegen die herrschende Dekadenz der Volksverräter geben wir der Familie als Keimzelle der völkischen Gemeinschaft oberste Priorität beim Erhalt von Volk und Vaterland. [...] Menschenverachtend ist folgerichtig nicht die lebensbejahende Idee der Gemeinschaft eines Volkes, das gesund in seinen natürlichen Eigenarten wächst und blüht, nein, menschenverachtend ist die Bekämpfung der traditionellen Familie, die propagandistische Förderung der Homo-Lobby, die Verleugnung der natürlichen Geschlechter und die perversen Sexualexperimente an unseren Kindern."[34]
(siehe auch Narrative: Drohender Volkstod, Gender-Ideologie, Umerziehung, Demographische Katastrophe, Dekadenz, Traditionelle Familie, Homolobby, Frühsexualisierung)


  • Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Peter Felser, kritisierte die Ankündigung der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, rechtsextreme Seilschaften in der Bundeswehr zu untersuchen 2017 mit den Worten:
"Statt dessen hat sie die Truppe erst mit Gender-Gaga überzogen und jetzt auch noch mit einem Orwellschen Vergangenheits-Exorzismus."[35]
(siehe auch Narrativ Neusprech)

Verkettung mit anderen antifeministischen Narrativen

Die oben genannten Äußerungen zeigen, dass das Narrativ Genderwahn mit folgenden Narrativen verkettet ist, die ebenfalls als „antifeministisch“ identifiziert wurden. Hierbei ist zu beachten, dass ein Ausdruck verschiedene Bedeutungen haben und für verschiedene Erzählungen - also für verschiedene Narrative - stehen kann. Daher findet hier nicht der Ausdruck an sich, sondern eine bestimmte Lesart dieses Ausdruck, ein bestimmtes Narrativ, nämlich das antifeministische Narrativ, Beachtung.

Weblinks

Literatur

  • Andreas Kemper (2014): Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD - eine Expertise, Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin April 2014, S. 30f. PDF
  • Andreas Kemper (2018): Aktivitäten gegen den „Gender-Wahn“, veröffentlicht im April 2018 in der Vielfalt-Bibliothek des Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V.
  • Marion Löffler (2017): Maskulinismus: Der ganz normale 'Gender-Wahnsinn', in: Brigitte Bargetz / Eva Kreisky / Gundula Ludwig (Hrsg.) (2017): Dauerkämpfe: Feministische Zeitdiagnosen und Strategien, Frankfurt a.M. / New York, S. 185-194

Einzelnachweise

  1. The Feminin Mystique
  2. Candace West/ Don H. Zimmerman (1987): Doing Gender, in: Gender and Society, Vol. 1, No. 2. (Jun., 1987), pp. 125-151.
  3. vgl. Marion Löffler (2017): Maskulinismus: Der ganz normale 'Gender-Wahnsinn', in: Brigitte Bargetz / Eva Kreisky / Gundula Ludwig (Hrsg.) (2017): Dauerkämpfe: Feministische Zeitdiagnosen und Strategien, Frankfurt a.M. / New York, S. 185-194
  4. Andreas Kemper (2014): Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD - eine Expertise, Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin April 2014, S. 30f. PDF
  5. Franz Rohleder: Bestseller-Autorin Birgit Kelle: So irre ist der Gender-Wahn, in: Merkur online vom 06.03.2015
  6. Junge Freiheit: Gender
  7. Facebook-Eintrag der Jungen Freiheit vom 12.05.2015
  8. Internetpräsenz Gender-mich-nicht.de: Aktivisten (Abgerufen 21.7.2017)
  9. Andreas Kemper (2018): Aktivitäten gegen den „Gender-Wahn“, veröffentlicht im April 2018 in der Vielfalt-Bibliothek des Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V.
  10. Pressemitteilung Jury der Unwort-Aktion in einer Pressemitteilung vom 16.01.2018
  11. [Pressemitteilung Jury der Unwort-Aktion in einer Pressemitteilung vom 16.01.2018]
  12. Löffler 2017: 188
  13. Kemper 2018: 2
  14. Kemper 2018: 2
  15. Löffler 2017: 188
  16. vgl. Ruth Wodak (2016): Politik mit der Angst: Zur Wirkung rechtspopulistischer Diskurse, Wien
  17. Löffler (2017): 191)
  18. Löffler (2017): 191)
  19. Kemper 2018: 2
  20. Parlamentsdirektion Österreich: Parlamentskorrespondenz Nr. 552 vom 06.06.2008
  21. Eike Sanders: »free-gender«, in: Antifaschistisches Info-Blatt 3/2010 vom 12.09.2010
  22. Free-Gender: Raus aus den Köpfen. Genderterror abschaffen, Bielefeld 2011, PDF
  23. Alexander Kissler: „Herr Professorin“. Genderwahn auf dem Vormarsch, in: Cicero vom 11.06.2013
  24. Birgit Kelle: Gender mich nicht voll!, im Focus-Magazin 10/2015
  25. Frauke Petry, Facebook-Eintrag auf der Seite Dr. Frauke Petry vom 09.März 2015
  26. Birgit Kelle: Ein Stoßseufzer von Birgit Kelle: Gender mich nicht voll!, in Focus-Magazin (10) 2015 vom 28.02.2015
  27. Frauke Petry, Facebook-Eintrag auf der Seite Dr. Frauke Petry vom 09.März 2015
  28. Unbekannte Autorin: Genderwahnsinn. Wie die Gender*-Sprachpolizei uns alle foltert und Transsexuelle taktlos ausnutzt, in: Blog Philosophia Perennis vom 05.08.2017
  29. Internetpräsenz Gender-mich-nicht.de: Erklärung (gespiegelt durch Archive.org)
  30. Think outside your box: Homophobie: FPÖ hetzt wieder gegen 'Homo-Lobby', Interpräsenz vom 19.06.2015
  31. D. Jestrzemski: Achtung Sprachpolizei! Wie wir langsam verblöden − Der ganz alltägliche Gender-Wahn, in: Preußische Allgmeine Zeitung. Das Ostpreußenblatt vom 14.10.2015
  32. Gabriele Kuby: Rede während der "Demo für alle" am 11.10.2015, zit. n. Internetpräsenz von Gabriele Kuby, Beitrag vom 11.10.2015
  33. Bundesamt für Verfassungsschutz: „Der III. Weg“, Internetportal des BfV
  34. Der III. Weg: Vom Genderwahn zum Volkstod, in: Internetpräsenz vom III. Weg', 12.08.2016
  35. Peer Felser: Orwellscher Exorzismus bei der Bundeswehr, in: Internetpräsenz von Peter Felser vom 13.05.2017